Der Sachkundenachweis für Immobilienmakler

Immobilienmakler zu werden war bis jetzt vergleichsweise einfach. Um eine Gewerbeerlaubnis für diese Berufe zu erlangen war eine Berufsausbildung bisher kein Muss. Gerade im Bereich der Makler hat dies dazu geführt, dass es viele Quereinsteiger ohne Fachkenntnis gab, die sich „Immobilienmakler“ nennen durften. Die einzige Voraussetzung waren Volljährigkeit und ein unbelastetes Vorstrafenregister. Verbraucherschützer fürchten schon länger, dass dies zu Lasten der Kunden geht, die unter fehlendem Fachwissen zu leiden haben.

Auch als Immobilienverwalter brauchte man bislang keine gesonderte Qualifikation. Bedenkt man, was für hohe Immobilienwerte und Hausgeldbeträge sie verwalten wird klar, dass unqualifizierte Verwalter hohe Schäden anrichten können. Deshalb werden auch für diesen Berufszweig Mindestanforderungen gefordert, die erfüllt werden müssen, um seine Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft anzuerkennen.

Aus diesem Grund fordern Verbände schon seit Jahren die Einführung eines Fach- und Sachkundenachweises für Immobilienmakler und –verwalter. Mit diesem sollen Standards in der Branche gewährleistet werden und zum einen Kunden vor unseriöser Beratung durch schwarze Schafe und zum anderen seriöse Makler vor einer Rufschädigung durch unseriöse Kollegen geschützt werden.

Am 31.08.2016 wurde vom Bundestag ein Gesetzesentwurf „zur Einführung einer Berufszulassungsregelung für gewerbliche Immobilienmakler und Verwalter von Wohnungseigentum“, erlassen, der jedoch vermutlich 2017 nicht mehr in Kraft treten wird, da bis zur Sommerpause und Bundestagswahl nicht mehr genug Zeit für die endgültige Fertigstellung ist.

Das Ziel der Bundesregierung ist es Immobilienmaklern und Wohneigentumsverwaltern die Erbringung eines Sachkundenachweises vorzuschreiben, bevor sie eine gewerbliche Erlaubnis erhalten. Außerdem sollen mit der Einführung des Nachweises Wohneigentumsverwalter und Mitarbeiter von Kreditinstituten einen Beitrag zur Förderung der energetischen Gebäudesanierung und Modernisierung von Wohnimmobilien leisten. Die Sachkundepflicht gilt dabei auch für die Mitarbeiter von Unternehmen. Deren Inhaber oder Geschäftsführer tragen die Verantwortung dafür, dass Mitarbeiter, die entsprechende Tätigkeiten ausüben, fachkundig sind.

Drei Wege zum Sachkundenachweis

Damit Makler und Verwalter den Sachkundenachweis erhalten gibt es drei Möglichkeiten. Die erste ist eine entsprechende Berufsausbildung mit Abschlüssen als Immobilienkaufmann/-frau, Immobilienwirt/in und Immobilienfachwirt/in sowie Studienabschlüsse mit Immobilienschwerpunkt.

Die zweite Möglichkeit ist die sogenannte „Alte-Hasen-Regel“, die besagt, dass Makler und Verwalter keine weitere Prüfung ablegen müssen, wenn sie mindestens sechs Jahre ununterbrochen tätig waren. Zulässige Unterbrechungen sind dabei nur Elternzeiten, Krankheit, Kuren oder Fortbildungen in festgelegtem Rahmen.

Die dritte Möglichkeit einen Sachkundenachweis zu erhalten ist die Ablegung einer speziellen Prüfung. Dafür werden Makler und Verwalter von den Industrie- und Handelskammern der einzelnen Bundesländer geprüft. Vorher können sie Lehrgänge absolvieren, beispielsweise bei der Europäischen Immobilien Akademie in Saarbrücken oder bei der Deutschen Immobilienakademie in Freiburg. Möglichkeiten zur Teilnahme an der Ausbildung wird es deutschlandweit geben.

Sobald das Gesetz in Kraft tritt muss die Sachkunde innerhalb von 12 Monaten beim örtlichen Gewerbeamt nachgewiesen werden, indem geeignete Dokumente vorgelegt werden. Insgesamt müssen für die Prüfung voraussichtlich Kosten zwischen 700 und 1.500 Euro eingeplant werden. Es besteht die Sorge, dass es auf Grund dieser Kosten und der gesteigerten Hürden in Zukunft weniger Makler geben könnte, was zu steigenden Gebühren führen könnte.

Kritik am Sachkundenachweis für Immobilienmakler

Auch in der Wirtschaft wird die neue Berufszulassungsregelung kritisch gesehen. Viele Kritiker führen an, dass es keine empirisch belegten Missstände gibt, die eine Einführung nötig machen oder beweisen, dass der Markt nicht funktioniert oder Kunden schlecht beraten werden.

Des Weiteren wird kritisiert, dass es sich bei dem Gesetz um einen schweren Eingriff in die Berufsfreiheit handelt. „Es fehlt in beiden Fällen [Berufszulassungsregelung für Makler und Verwalter] an einem gewichtigen Schutzgut sowie dem empirischen Nachweis einer entsprechenden Gefährdungsgrundlage“, so Prof. Dr. Winfried Kluth von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dr. Johannes Ludewig vom Nationalen Normenkontrollrat kritisierte den Entwurf ebenfalls: „Die Darstellung des Regelungszwecks und der Erforderlichkeit im Gesetzentwurf ist immer noch nicht nachvollziehbar.“

Ein Argument der Kritiker ist, dass die Makler auf Grund der hohen Konkurrenz schon aus Eigeninteresse an hoher Qualität interessiert sind. Als Regelungsalternative wird eine Selbstregulierung der Branche durch dir Möglichkeit freiwilliger Zertifizierungen angeboten.

Die Bundesregierung erklärte in einer Gegenäußerung zu einer Stellungnahme der Länder, dass das Gesetz spätestens fünf Jahre nach Inkrafttreten evaluiert werden solle.

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